Regionalisierung: Kontrollverlust vermeiden

Viele international aktive Unternehmen erwägen derzeit, ihre Produktion und die vorgelagerten Lieferketten für bestimmte Märkte stärker zu regionalisieren und ihre Standorte in den Weltregionen voneinander unabhängiger zu machen. Das Ziel ist, die Lieferketten durch die Vertiefung der regionalen Wertschöpfung sicherer zu machen und den regionalen Kundenbedürfnissen durch regional hergestellte Produkte besser gerecht zu werden. Ein Grund für die Dezentralisierung liegt auch darin, dass die Gesetze und Regulatorien in den verschiedenen Ländern auseinanderdriften und eine zentrale Produktion und Belieferung des Weltmarktes dadurch immer schwieriger wird. Die negativen Erfahrungen während der Pandemie verstärkt diesen Trend noch mehr.

Wichtig ist, dass bei der Dezentralisierung zwischen Linienfunktionen und spezifischen Stabsaufgaben unterschieden wird. Die Beschaffung, die Fertigung und der Vertrieb können in den meisten Fällen problemlos regionalisiert werden, ebenso die Produktentwicklung zur lokalen Anpassung der Produkte, das Marketing und das Kundenmanagement (CRM). Nicht regionalisiert werden dagegen Stabsfunktionen, die eine spezifische fachliche Kompetenz und Vertrauen gegenüber den regionalen Entscheidern und Akteuren erfordern. Dazu gehören nicht nur die Konzernstrategie und das Controlling, sondern auch die sensiblen Bereiche Forschung, Intellectual Property, Informationstechnologie und Compliance. Diese spezifischen Stabsfunktionen sind für global agierende Unternehmen systemrelevant und bleiben deshalb unter der Kontrolle der Zentrale. Ihre Regionalisierung würde das Risiko von Fehlentwicklungen aufgrund von Kontrollverlust massiv erhöhen.

Die Steuerung und Kontrolle der regionalen Einheiten erfolgen wesentlich über Daten. Die derzeit größte Herausforderung im China-Geschäft ist, die mit der hybriden Unternehmensorganisation verbundenen Anforderungen an den Umgang mit Daten zu meistern. Regionalisierung erfordert immer eine Qualifizierung des grenzüberschreitenden Datenverkehrs, der durch neue chinesische Gesetze und Regulatorien eingeschränkt wird. Die Bearbeitung dieser anspruchsvollen Aufgaben bleibt in der Hand der zentralen Stäbe, die über die erforderliche Kompetenz und das Vertrauen der Unternehmensleitung verfügen.

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