Peking stellt zweijährigen Metaverseplan vor

China setzt jetzt auch beim Metaverse zum großen Sprung an. Basis des Projekts ist der Metaverse Innovation and Development Action Plan des Beijing Urban Sub-Center Metaverse (2022- 2024), der im August 2022 veröffentlicht wurde. Der Innovationsplan der chinesischen Hauptstadt gibt allen Stadtbezirken vor, verstärkt Branchen und Unternehmen zu fördern, die einen Bezug zum Metaverse haben. Sie sollen die erforderliche technologische Infrastruktur ausbauen und die Anwendung der Technologie in verschiedenen Bereichen fördern, darunter Bildung und Tourismus, Film- und Fernsehunterhaltung, Kultur, Medizin und Pflege, Smart City sowie Smart Retail. Alle Bezirke sind aufgefordert, die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen bereitzustellen.

Der Plan ist ebenso umfassend wie detailliert, eine Art Rundumschlag. Über die Vernetzung von Denkfabriken, Schlüsselunternehmen und staatlichen Einrichtungen sollen Virtuelle Realität, Künstliche Intelligenz, Blockchain, Internet of Things, Cloud-Computing, 5G und Informationssicherheit weiter erforscht, organisiert und mit relevanten realwirtschaftlichen industriellen Aktionsplänen auf nationaler und kommunaler Ebene verbunden werden. Metaverse-relevante Technologien wie Grafik-Engines, Simulationsmodelle, Mensch-Computer-Interaktion und neue Displays sind zu fördern, ebenso Kamera-Array-Scanning, Lichtfeld-Bildgebung oder dynamische 3D-Rekonstruktion. Ein Ziel ist, vier große Industrieketten für digitales Design, digitale Menschen, gemischte Realität und digitale Kunst aufzubauen. Es geht letzten Endes um die Schaffung eines kompletten Metaverse-Ökosystems, wobei Plattformen eine große Rolle spielen.

Der Metaverse Innovation and Development Action Plan gibt auch vor, stabile und glaubwürdige digitale Asset-Handelsdienste zu entwickeln und dabei die Rechte und Interessen der Akteure zu berücksichtigen. Die Sicherheit digitaler Assets, Verschlüsselungsmethoden und der Datenschutz stehen im Vordergrund, dafür sollen Technologien wie Sicherheitschips, Zero-Trust-Netzwerken, Trusted Computing und Quantenkommunikation erforscht und verbessert werden. Sicherheit und Vertrauen sollen auch durch neue Regeln zur digitalen Identitätsanalyse im virtuellen Raum gewährleistet werden.

Umgesetzt wird das Mammutprojekt durch traditionelle Einheiten wie die städtischen Ämter oder das System zur Förderung von Industrieinvestitionen der digitalen Wirtschaft. Dazu kommen neue geschaffene Organisationseinheiten wie das Metaverse Industry Promotion Strategic Decision-Making Advisory Committee oder das Metaverse Application Innovation Center. Peking bislang mehr als 100 Metaverse-Unternehmen etabliert, rund 30 Metaverse-typische Anwendungsszenarien erstellt und die ersten Metaverse-bezogenen Standards etabliert.

Pekings großer Sprung ins Metaverse eröffnet ausländischen Unternehmen völlig neue geschäftliche Chancen. Beispiele für Metaverse-Geschäftsmodelle gibt es in China zuhauf. Sie reichen von Demo- und Verkaufsinteraktionen in plattformbasierten virtuellen Läden, Showrooms oder Messen, der Lizensierung und Vermietung rein virtueller Produkte und Dienstleistungen zu Schulungs- und Trainingszwecken oder dem Cloud-Tourismus über Avatar-gestützte Erlebniswelten bis hin zur virtuellen Marktforschung für Supermärkte, der Beschaffung in virtuellen Einkaufsumgebungen bis hin zur Bedienung und Wartung von Industrieanlagen mit Einsatz virtueller Zwillinge. Das chinesische Metaverse ist auch für westliche Marken interessant, die sich im Rahmen der Gemeinwohl-orientierten Politik Chinas neu positionieren möchten – Food-Marken beispielsweise über Lebensmittelsicherheit.

Bild>Unsplash

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