Krisen befeuern das Counterfeiting

Die globale Schwäche der Wirtschaft und die anhaltende Inflation führen bei Konsumenten und Geschäftskunden zum bewussten Replacement Originalen. Um ihre aktuellen Einkommensverluste und Umsatzeinbrüche zu kompensieren, ersetzen Konsumenten und Unternehmen gezielt hochpreisige Originale durch billige Kopien aus China. Durch den Austausch können sie in der schwierigen wirtschaftlichen Situation ihre Einkaufskosten deutlich senken – Qualitätsverluste und Reputationsschäden werden vorerst bewusst in Kauf genommen.

Für die Originalhersteller wird die Kommunikation mit den Distributoren und Händlern immer schwieriger, weil Reisen nach China nicht mehr möglich sind. Nicht wenige nabeln sich ab. Sie kündigen oder brechen Verträge, bringen ähnliche oder gefälschte Produkte auf den Markt und melden die westliche Marke in chinesischer Sprache an. Die Hersteller verlieren in China die Kontrolle über ihr geistiges Eigentum – mit weitreichenden Folgen, wenn die kopierten Produkte aus China exportiert werden.

Die zerrissenen Lieferketten bieten der Marken- und Produktpiraterie weitere Angriffspunkte. Da Lieferanten ausfallen, dringen Marken- und Produktfälschungen in die Supply Chains der Originalhersteller ein und ersetzen die fehlenden Originalprodukte. Sie tauschen Originallieferungen in Zwischenlagern gegen gefälschte aus, verpacken einzelne Sendungen um oder manipulieren Etiketten und Begleitpapiere. Kritisch sind unbekannte Frachtführer und Beiladungen, die im Zuge der aktuellen Logistikengpässe jetzt verstärkt zum Einsatz kommen.

Auch der Ukrainekrieg beflügelt das Geschäft mit Fälschungen. Weil chinesische Unternehmen die Angebotslücken füllen, die westliche Marken in Russland hinterlassen, fließen immer mehr Piraterie Produkte aus China in den russischen Markt. Der Kreml erlaubt den Import von Raubkopien einschließlich CPUs, um die Auswirkungen der westlichen Sanktionen zu mildern. Die russische Regierung legalisiert auch den Diebstahl von geistigem Eigentum, indem sie die Inhaber gewerblicher Schutzrechte aus „unfreundlichen Ländern“ für die unbefugte Nutzung ihrer Patente, Gebrauchs- und Geschmacksmuster nicht entschädigt. Dadurch erhalten russische Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, sie können patentverletzende Komponenten oder Endprodukte kostengünstig herstellen und nach China exportieren – im Ergebnis eine importierte Produktpiraterie.  

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