Budgetschonende Pirateriebekämpfung

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und knapper Budgets stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Fälschungsbekämpfung (Anti-Counterfeiting, ACF) in China zu optimieren, ohne dabei an Wirksamkeit zu verlieren. ACF komplett auszusetzen ist keine Option, da dies ein Wiederaufflammen der eingedämmten Piraterie zur Folge hätte und die bisherigen Investitionen verbeblich gewesen wären. Der finanzielle Schaden durch kurzfristige Umsatzverluste (oft 3 – 5 % des Jahresumsatzes), mittelfristige Verluste an Marktanteilen und langfristige Einbußen beim Markenwert würde wieder ansteigen.

Ein bisher wenig genutzter Hebel zur Effizienzsteigerung ist die Optimierung der ACF-Strategie. Die Radiationsstrategie (Atombombenstrategie) hat sich unseren Erfahrungen nach als besonders effektiv erwiesen. Dabei wird ein geeigneter, nicht allzu widerstandsfähiger Fälscher durch eine gezielte Kern-Aktion massiv angegriffen (Ermittlungen, Razzia, Prozess mit Schadenersatzforderungen). Im Anschluss wird diese Aktion kommunikativ ausgeschlachtet. Andere Fälscher werden durch anwaltliche Warnschreiben mit Verweis auf diesen Schlag direkt abgemahnt, Händler und Kunden werden durch Informationsschreiben über den Erfolg der Aktion aufgeklärt, und die Fachwelt oder die breitere Öffentlichkeit wird durch gezielte ACF-PR in den entsprechenden Medien informiert. Diese Strategie nutzt Ausstrahlungseffekte und ermöglicht es den Originalherstellern, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Eine weitere budgetfreundliche ACF-Strategie besteht darin, einen Fälscher nicht direkt mit kostspieligen juristischen Maßnahmen anzugreifen, sondern indirekt vorzugehen, indem seine Zulieferkette unterbrochen wird. Viele chinesische Lieferanten von Komponenten reagieren äußerst sensibel, wenn sie erfahren, dass ihre Teile für die Herstellung gefälschter Endprodukte verwendet werden und sie dadurch in rechtliche Schwierigkeiten geraten könnten. Es ist in China üblich, dass Fälscher die Herstellung gefälschter Komponenten zur Risikoverminderung an Zulieferer auslagern. Diese Strategie der Unterbrechung von Lieferketten wirkt auch in der Vertriebskette – Händler geraten ins Visier der Ermittler, wenn sie gefälschte Produkte verkaufen.

Bei der Phoenix-Strategie verzichten wir auf juristische Maßnahmen gegen zahlreiche Fälscher. Stattdessen lassen wir die Originalmarke wie Phönix aus der Asche aufsteigen, indem wir sie durch ergänzende Dienstleistungen aufwerten. Wartung, Reparatur, Schulung und Training spielen dabei eine große Rolle – sie bilden zusammen mit dem Produkt Markensysteme, die nur schwerer zu kopieren sind. Zu dieser Strategie gehört auch die Löschung bösgläubig angemeldeter Markenunterklassen für Dienstleistungen, die dem Originalhersteller oft gar nicht bekannt sind. Ein Beispiel hierfür ist die Anmeldung einer Servicemarke für Maschinenwartungsdienste unter der Subklasse 746 für die Marke eines Original-Maschinenbauers. In China zeichnet sich im Bereich des Fälschungswesens inzwischen ein klarer Trend hin zu Fake-Services ab, die Fälscher auch für die Originalprodukte anbieten.

Bild> Dall-E3

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