Tarnen und Täuschen: die neuen Routen der Fälscher

Weil Ermittler den Weg gefälschter Produkte beim Direktversand aus China relativ leicht rekonstruieren können, suchen sich Chinas Marken- und Produktpiraten immer häufiger verschlungene Wege. Um die Herkunft der Fakes zu verschleiern, senden sie ihre Produkte mit Hilfe internationaler Netzwerke aus Mittelsmännern über möglichst viele Länder und Grenzen an die finalen Empfänger. Der nationale Zoll ist machtlos: Er kann immer nur den letzten Absender erkennen, der Versender am Ursprungsort ist ähnlich wie beim Darknet ist nicht mehr zurück zu verfolgen. Auf diese Weise kommen in Rotterdam chinesische Fälschungen aus Japan an – einem vermeintlich sichereren Land.

Clevere Logistikstrategien

Die chinesische Fälscherszene arbeitet strategisch geschickt. Sie verschickt große Mengen der Fakes zunächst an Hauptumschlagsorte und dann in kleineren Sendungen weiter. Das macht sie selbst für konzertierte, mehrere Länder umfassende Aktionen der Behörden, weniger angreifbar. Die mögliche Beschlagnahme kleiner Versandeinheiten führt bei den Fälschern nicht zu existenzbedrohlichen Ausfällen. Kleine Pakete sind weniger auffällig und geraten seltener ins Visier von Ermittlern und Kontrolleuren. Außerdem setzen Marken- und Produktfälscher verschiedene Transportmittel wie Lastwagen, Flugzeuge und Schiffe ein, so dass sie auch hier das Entdeckungsrisiko streuen. So wird Elektronik in großen Volumina in Hongkong umgeschlagen und dann kleinteilig auf dem Luft- und Seeweg über den Nahen Osten, Nordafrika und die Türkei  nach Europa verschickt. Freihandelszonen wie Dubai, in denen namenlose gefälschte Produkte gebrandet werden, spielen eine herausragende Rolle.

Globale Umschlagplätze

Was wird wo gefälscht und umgeschlagen? Indien ist inzwischen das wichtigste Herkunftsland für gefälschte Medikamente, die Türkei dominiert, wenn es um Kosmetika, Lederwaren und Lebensmittel für die europäischen Märkte geht. Die größten Umschlagsorte für Fälscherwaren sind Hongkong, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Von dort aus werden dann regionale Umschlagsorte versorgt: Gefälschten Markenartikel wie Lederwaren oder Parfüm gelangen über Albanien nach Europa. Ägypten ist die Drehscheibe für Lederwaren und Elektronik, Marokko für Lederwaren, Schuhe und optische Produkte. Fälschernetze in der Ukraine haben sich auf Schmuck, Parfüm und Kosmetika spezialisiert. In die USA werden gefälschte Produkte über Panama, Uruguay und Mexiko eingeschleust, und der mittlere Osten wird aus den VAE, aus Saudi Arabien und dem Jemen mit Produktfälschungen bedient.

Internationale Verfolgung

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die globalisierte chinesische Marken- und Produktpiraterie nur mit einem internationalen Netzwerk aus spezialisierten Ermittlern, Anwälten und Mitarbeitern in nationalen Behörden wirksam und nachhaltig bekämpft werden kann. Auch die grenzüberschreitende rechtliche Verfolgung über verschiedene Rechtssysteme ist kein allzu großes Problem, wenn die Beweise national notarisiert und nach den Regeln des Landes legalisiert sind. Auch chinesische Gerichte orientieren sich an der Globalisierung. Das gilt nicht nur für Beweise, die aus dem Ausland stammen, sondern auch für die Entscheidungen ausländischer Gerichte. Sie werden immer häufiger von chinesischen Gerichten anerkannt.

Quelle: EUIPO / OECD

Bild: Europol

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